Von Lernkurven, Gipfelblicken und anderen Nebenschauplätzen

Ich habe schon viele Artikel geschrieben für meinen Blog, in Gedanken, morgens im Bett, wenn ich nicht aufstehen mag und mir die Zeit gönne, darüber nachzudenken, was mich bewegt. Bis der Weg ins Homeoffice, in die Schaltzentrale eines großen Anteils meines Lebens geschafft ist, sind diese Bettgeschichten wieder verdrängt.

Heute ist das anders. Ich stehe auf, gehe ins Bad und praktiziere bewußtes Freiduschen von Gedankenresten aus der vergangenen Woche. Der Griff zu Unterwäsche hat einen seltenen statistischen Höhepunkt erreicht. Es gibt einen Stapel Slips und einen Stapel BHs . Blinder Griff in den Schrank und zufällig zum passenden Höschen den dazugehörigen BH ergriffen. Je nach Tageslaune wird die Reihenfolge und die statistische Zufälligkeit außer Kraft gesetzt. Heute nicht. Heute war Zufall angesagt. Statistik, Auswertungen, Grafiken –  Social Monitoring hatte mich diese Woche sehr beschäftigt. Wobei #mmc13 ebenfalls wieder an die Oberfläche kommen konnte.

Nun nach kurzem  Frühstück, setze ich mich mit dem Notebook ins Esszimmer, nicht ins Büro. Unfassbar – jedes Familienmitglied fragte mich überrascht, warum ich hier sitze. Meine Antwort: Einmal einen Text schreiben mit 3000 Zeichen, der meinen Gedanken höchste Priorität gibt. Ich denke an @ellytheration und ihrem Zitat im Blog „Ich drücke mich gerade vor dem Schreiben und kompensiere das durch Schreiben. Clever, nicht wahr?“

#mmc13 ist eine faszinierende Lernumgebung. Auch wenn ich mich zeitenweise fühle wie Planet Saturn mit Blick auf die Sonne. Voll weit weg. Dabei hat es so hochmotiviert angefangen. DerXte Blog gegründet und wieder an der Tatsache gescheitert, dass meine Wünsche sich mit den vorgefertigten Templates nicht realisieren lassen. Macht nix. Es ging deswegen in  der ersten Woche uneingeplante Zeit verschütt. Es blieb auch keine Zeit mehr lauter um Hilfe zu schreien. Erste Hilfeschrei-Antwort hat nicht zur Lösung geführt. Die Nuss eines funktionierenden Blogs ist härter als ich.

Die erste Woche startete mit dem Thema „Was ist ein Mooc“. Genau in dieser Woche war ich sehr viel unterwegs – ohne qualifzierte Verbindung zum Webnetz, meiner digitalen Welt. Dafür viele analoge Alt- und Neukontakte.  Social Media fehlte mir. Ein kleines Problem war in der Woche, dass mein Nominierungsvorschlag für den Tutor des Jahres per Email nicht in der dafür zuständigen Zentrale ankam, wir einigten uns auf oldfashioned Fax. Weiterhin freute ich mich in dieser ersten Woche über einen Vortrag eines Referenten zum Thema Digitale Medien, der aufgrund meines Engagements stattfand. Der Referent war sehr gut und er hatte meine Änderungswünsche eingearbeitet. Poah Genial!. In den Gesprächen mit den Zuhörern fiel mir aber wieder auf, dass ich wohl tiefer in der Materie stecke, als der Normalbürger. Kommunikationshürden und Ängste der Zuhörer verhinderten den Open-Gedanken. Ich denke an #mcc13, die Ideen und wie weit diese Gedanken von dieser Elternschaft in unserem Sonnensystem entfernt sind. Eine Lehrerin fragte mich, ob ich von den „neuen Lernformen“ gehört habe. Ich zögerte, fragte nach, versuchte zu erklären, sie nickte, ich verwies auf den Mooc.

Am Samstag früh hatte ich die Idee wie meine Lerninhalte über Moocs visualisiert werden könnten. Fühlte mich dem Wahnsinn nah, weil ich in Matrixen, Ebenen und Farben dachte. Aufstehen musste ich wegen einem lange geplanten Termin, wie fast alle in der Woche. Abends auf Twitter entdeckte ich wieder Andrea Brücken mit Hinweis auf die Pearltrees. Juhu – es freute sich mein innerer Schweinehund. Das ist besser und optisch einfacher als ich es mir je vorgestellt hatte. Erst hatte ich technische Schwierigkeiten, doch die fleissige Andrea Brücken, @dieHauteCulture filmte spontan am Sonntag didaktische Erklärvideos zu Pearltree. Ich habe sie in Gedanken geknuddelt und applaudierte als dann „Hall of Fame“ eröffnet wurde.

Zweite Woche #mmc13. Thema Didaktik.  Ich war vermutlich zuviel unter analogen Menschen gewesen. Ich bekomme Schüttelfrost, Fieber und bin krank. Mitten in der Woche, der Höhepunkt. Trotz Fieber habe ich zu funktionieren und komme in die Situation das Vertrauen in Menschen, in der Haustür stehend, in Frage zu stellen. Langvergessene negative Erfahrungen durchströmen mich. Ich schließe symbolisch die Haustür ab. Es schüttelt mich noch mehr. Die Kinder hatten den Fernseher eingeschaltet und es läuft so ne Nachmittags-Doku-Soap. Ich sag noch: „Solche überzogene Geschichten fordern nicht unbedingt das Vertrauen in die Menschheit“. Ich bleibe stehen, schaue ebenfalls auf den Bildschirm und muss gestehen. „Weia, diese Geschichte haben wir sogar noch viel verrückter erlebt“. Seither sehe ich also diese nachmittäglichen Doku-Soaps als didaktisch wertvoller an. Das Verbot am Nachmittag einen Fernseher einzuschalten bleibt bestehen. Die Erkenntnis siegt: Selbst wenn die eigene Erfahrung und die selbsterlebten Lernerlebnisse wertvoller sind als jedes angeschaute Schauspiel. Es muss nicht alles selbst erlebt werden. Gott sei Dank. Diese Lerneinheit hilft mir, mein Wunsch nach „Lebenslangem Lernen“  wieder auf ein gesundes Maß von Erwartung zu reduzieren.

Weitere Woche. Ich mache mir Gedanken zu Zeitmanagement. Dank Krankheit ist einiges liegen geblieben. Ich sehe das kantige Matterhorn vor mir und rede es klein zum soften Hügel um die Ecke. Zur Befreiung schreibe ich einen Text, der nicht gefeilt und nicht veröffentlicht wurde. Prof. Dr. Christian Spannagel schrieb in seinem Blog und sendet zum Thema. Gedankenüberschneidungen zu meiner Wenigkeit. Das war auch in der Woche, in der ich erfahren durfte, dass zu meiner geplanten Hangout-Lurker-Teilnahme zwischen 17 und 18 Uhr in unserem Haus echte 14 Menschen sich die Türklinke übergaben und somit Hangout wusseliger und unkontrollierter ablief. Es war die spontane Kumulation der Ereignisse. Ein Phänomen, dass ich seit Jahren beobachte. Voll intensives Leben. Der Tag hat zu wenig Stunden.

Das Thema „Wie Open ist ein Mooc“ ist an mir, mit zärtlicher Berührung, vorbeigegangen. In der Woche startete ich die nächste Einsendeaufgabe zu meinem Fernlehrgang Social Media Manager. Monitoring über sieben Tage. Wie sooft hätte ich es einfacher wählen können, tat es schon wieder nicht. Keine Monitoring-Erkenntnisse waren zu erkennen. Dabei dachte ich noch: Super – der Promi hat in der Zeit Geburtstag, er hatte Vorträge, Interviews und so weiter, da werden sich Kurven, Ausschläge, Gipfel, Täler, Zahlen ergeben. Nee. Atemnotstand. Keine Kurven, dafür Artikel in der Wirtschaftswoche. Hammer. Abends im TV die Umsetzung meines gesandten Tweets, der zu schwach war um monitoring-technisch erkannt zu werden.  Gefühl und Tools sind nicht im Einklang. Kopf sinkt auf nagelneue duftende Holztischplatte. Nächste Aufgabe. Nein – ich wohne nicht in einem Holzblockhaus. Soviel Brett vor dem Kopf will ich nicht und die Frage „Wie open ist mein Kopf?“ steht im Universum.

Was war nochmals das  aktuelle Thema bei @mcc13. Ach ja – Geschäftsmodelle. Dank Jörg Lohrer @empeiria habe ich ein Schaubild entdeckt, welches mir irgendwie bekannt vorkam, doch mit den aktuellen Erkenntnissen und passend zum Gedanken „Geschäftsmodelle“ bei mir nachhaltiger in den Blutkreislauf einfliesst als jemals zuvor.

Ein anderes Kompetenz Schaubild von @AKIRPEIFEL via Lena Dronowa @Edv-Twitt zeigte die vielen wichtigen und herausgearbeiteten Kompetenzen, die notwendig sind um als Lehrender, auch als Teilnehmer, zu arbeiten. Mount Everest als Lerngipfel tat sich auf. Das erschreckte mich  – doch das Thema wurde greifbarer als ich las, dass diese Kompetenzen auch verteilt sein können. Denn soweit bin ich noch nicht, den Mount Everest zu besteigen, wobei das Ziel erstrebenswert ist. Habe ich gerade „noch“ geschrieben? Wird gestrichen. Ehrgeizige Menschen leiden schneller an Burnout. Sehr gefallen hat mir diese Woche auch der Tweet von @Heinz. Als Lurker freue ich mich, dass die Gastgeber für diese große Aufgabe und Powerphase noch Danke sagen können. Es las sich, wie von ganzem Herzen gesandt. Dabei ist ebenso großes Lob auch an die Referenten, Gesprächspartner und aktiven Teilnehmer von mir gesandt.  Selbst wenn ich meine, dass mein weitentfernter Saturn-Blick auf das leuchtende Sonnensystem irgendwie von mir monatelang unterwegs sein wird, bin ich sehr froh, dass die LandingPage Howtomooc.org auch nach dieser fünfwöchigen Projektzeit erhalten bleibt.

Sodele, sagt die Schwäbin. Danke fürs Lesen. Es wurden 2 mal 3000+ Zeichen. Ich frage mich ernsthaft, ob andere auch so lebens-, lern- und ereignisreiche Nebenschauplätze haben und solche Lernkurven sehen. Es lässt sich nicht alles in Worte fassen. Vielleicht ist es einfach dieser schöne Yeah-Zustand im Schaubild von @empeiria Und in der Ruhe wird es in die einzelnen Bereiche einfliessen können und sich zu einem Geschäftsmodell entwickeln. Soetwas füllt die Hoffnung. Ich stelle mir gerade den Säntis vor, dem zu Füßen der Bodensee liegt. Nachtrag: Ich sah ihn heute den Säntis in der Schweiz – aus 150 Kilometer Entfernung – heute war Fernsicht angesagt! Erkennbar – leider nicht fotografierbar.

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aller Anfang und so …

Da fröhne ich meinem Fernweh und drücke mich davor einen Blog anzulegen. Dabei ist es ja wichtig, sonst geht das Mitmachen nicht. Der erste deutschprachige MOOC startet am 16. Januar 2013. Die Reisedokumentation über Jemen ist ebenfalls verlockend. Welch wunderbares Land. Nun gut – dort ist auch der Name der Kaffeebohne MOCCA entstanden – es liegt für mich nahe diese beiden verheißungsvollen Wörter zu kombinieren und Voilá – die Überschrift für den Blog stand fest.

Auf der Hauptseite des #MMC13 wird erklärt, dass ein Massive Open Online Course ein Online-Kurs ist. Jeder der Lust und Zeit hat kann daran teilnehmen – kostenfrei und ohne  Teilnahmevoraussetzungen. Und da es kein „ausgebucht“ gibt, kann es von vielen lernwilligen und neugierigen Menschen genützt werden. Es kann sozusagen „voll werden“ im Kurs – auf englisch: massive.

Weiteres folgt, wenn auf dem Blog alles seinen Platz gefunden hat.